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Unser Pavillon begleitet Menschen in der Flüchtlingshilfe.

Sie engagieren sich ehrenamtlich für Menschen, die in Göttingen Zuflucht und Aufnahme gefunden haben. Hilfe beim Kennenlernen der Sprache, der Stadt und ihrer Einrichtungen, der Verwaltung, der Alltagskultur. Dieses wichtige Engagement unterstützt unser Pavillon.

 Kommen Sie unter unseren Pavillon. Dieser „Schutzschirm“ bedeutet für Sie:

  • Unfallversicherungs- und Haftpflichtschutz auf dem Weg und während des Zusammenseins mit dem/den von Ihnen Betreuten
  • Fachvorträge und praktische Tipps rund um die Flüchtlingsbegleitung
  • Bereitstellung von Räumen
  • Finanzielle Unterstützung z.B. für Lehrmaterial, Feste, Kulturangebote

 

 Ihr nächster Schritt: Melden Sie sich! Ihre Ansprechpartner Andreas Schreck und Dagmar Kriener freuen sich über Ihre Nachricht unter Tel. 0551-38489872 bzw.

post@buergerstiftung-goettingen.de

 

Was will unser Pavillon nicht:

  • Ungebeten Ratschläge erteilen, Vorgaben definieren oder Engagement bewerten
  • Menschen, die nach einem sinnvollen Engagement zu Gunsten von Geflüchteten suchen, direkt an Unterstützungsbedürftige vermitteln. Hier helfen in Göttingen Bonveno (0551-25030559), die Caritas (0551-9995916) , das Migrationszentrum (0551-89993025) und weitere Initiativen.

 Unser Pavillon ist ein Projekt der Bürgerstiftung Göttingen im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

 

Der Auszug in Weende – ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Freiwilligensicht

Am Montagabend hatte die Verwaltung in einem sehr offenen und konstruktiven Gespräch mit Helfern der Unterkünfte in Weende und im Hagenweg ihre Pläne vorgestellt.

Die Verwaltung berichtete, die Weender Bewohner würden bereits am Dienstagmorgen aus dem Haus ausziehen. Sie hätten alle bereits ihre Kleidung und sonstige Wertgegenstände bei der Schädlingsbekämpfungsfirma zur Benebelung abgegeben um diese dann am Dienstag nach dem Auszug gereinigt entgegennehmen zu können.

Man hat in den letzten Tagen im Hintergrund sehr viel auf Seiten von Stadt und Bonveno gearbeitet und für viele Bewohner akzeptable Lösung finden können. Die Helfer vor Ort aus der Flüchtlingshilfe Weende haben zwar mit einer gewissen Skepsis dies begleitet, aber grundlegend das Verfahren akzeptiert und unterstützt. Es wurde aber deutlich gesagt, dass die Bewohner keinesfalls freiwillig ausziehen möchten, es aber mangels Alternativen für sie keine andere Wahl mehr gibt.

Ein Teil der Bewohner zieht wie angekündigt auf die Siekhöhe, einige andere besondere Fälle haben einen Platz im IWF bekommen. Viele von ihnen bekommen in den nächsten Wochen Wohnungen durch die Stadt zu gewiesen. Hauptsächlich in der neuen Unterkunft Schützenanger.

Am Dienstag war die Situation dann leider doch nicht so wie am Montagabend erhofft. Im Gegenteil sogar: Die Situation vor Ort war sehr schwierig. Ich fuhr als Vertreter von Göttingen hilft durch einen Hinweis am Dienstagmorgen zum Haus in Weende. Beim Eintreffen kam gerade der Notarzt, da ein Bewohner mit Herzproblemen die gesamte Situation nicht bewältigen konnte. Vor dem Haus waren circa 30 Menschen – mutmaßlich aus der linken Szene. Sie blockierten den Eingang des Hauses, damit niemand in das Haus gehen konnte.  Ein inhaltliches Gespräch mit Ihnen war nicht möglich. Die Polizei war mit mehreren Einsatzkräften vor Ort.

Die freiwilligen Helfer vor Ort, die monatelang die Menschen dort unterstützten, hatten bereits in den letzten Tagen mit den Bewohnern alles soweit vorbereitet und den anstehenden Umzug mangels Alternativen unterstützt. Montagabend noch waren sie nach dem oben erwähnten Gespräch mit der Stadt zum vorerst letzten gemeinsamen Abendessen in der Großen Breite und haben mit den Bewohnern über die Ergebnisse des Treffens und den Umzug am nächsten Tag gesprochen.

Leider war zu dem Zeitpunkt als ich für Göttingen hilft am Dienstag vor Ort eintraf keiner der eigentlichen aktiven Helfer der Flüchtlingshilfe Weende anwesend, da sie arbeiten mussten. Es muss hier klar differenziert werden zwischen den “Blockierern” und den Helfern der Flüchtlingshilfe Weende vor Ort.

Von Seiten der Stadt waren Herr Lieske und eine Mitarbeiterin aus dem Sozialamt vor Ort, sowie die städtische Sozialarbeiterin und mehrere Hausmeister. Von Seiten Bonvenos waren die bisher in dem Haus tätigen Mitarbeiter anwesend und kümmerten sich engagiert um die Bewohner.

Herrn Lieske als Dezernent der Stadt Göttingen wurde der Zutritt zum Gebäude durch die “Blockierer” versagt. Auch war man nicht bereit mit ihm zu reden. Einige Bewohner hatten mit Unterstützung der Stadt und der Helfer von Bonveno schon mit ihren am Abend vorher gepackten Sachen das Haus verlassen. Andere Bewohner standen noch im Eingangsbereich und den Fluren der Unterkunft mit ihren Taschen.

Da ich in den letzten Monaten über Göttingen hilft viel Kontakt mit den Helfern der Flüchtlingshilfe Weende hatte und auch einige Bewohnern kannte, versuchte ich mit den “Blockierern” zu reden – mit nicht besonders großem Erfolg. Mir wurde aber der Zugang zum Haus “gestattet” mit dem Hinweis, dass jeder das Haus verlassen könne, der gehen wolle und man niemanden festhalte. Ich bin darauf hin nach Gesprächen und auf Bitten der städtischen Sozialarbeiterin mit dieser durch einen Nebeneingang in das Haus gegangen um mit den Bewohnern selber zu reden und uns einen Überblick zu verschaffen.

Die Situation war aber insgesamt sehr schwierig, da ständig ein “Aufpasser” (so von mir empfunden) der “Blockierer” uns bei dem Versuch mit einigen Bewohnern zu reden ins Wort gefallen ist. Viele Bewohner waren sehr verunsichert. Eine menschlich schwierige Situation, die mich immer noch beschäftigt. Im Hause stellte sich heraus, dass einige Bewohner anders als von den Blockierern dargestellt jetzt ausziehen möchten. Andere allerdings schlossen dies aber tatsächlich in den ersten Gesprächen kategorisch aus. Es war in dieser Situation so gut wie nicht möglich, Gründe hierfür zu erfahren. Am vorigen Tag hatten sich noch alle mit dem Auszug arrangiert.

Wir konnten dann mit einigen Bewohnern, die von sich aus gesagt haben Sie möchten heute ausziehen, das Haus verlassen. Viele Bewohner waren aber unschlüssig ob sie auch gehen sollten. Ein paar folgten den bereits mit uns gegangen. Andere riefen gemeinsam mit einem “Blockierer” aus dem Fenster: “Wir bleiben hier!”

Die Stadt blieb insgesamt besonnen. Zwischenzeitlich wollte man zwar den Umzug schon abbrechen und nur mit einem Teil der Bewohner umziehen. Es hat sich dann aber doch die Ansicht durchgesetzt, dass es gut wäre etwas Geduld zu haben und abzuwarten, ob nicht doch alle Bewohner wie angekündigt von sich aus gehen wollen.

Es spielten sich zwischendurch immer wieder tragische Szenen unter den Bewohnern ab, da einige Bewohner gehen wollten aber anscheinend lieb gewonnene Freunde, die sie nicht im Stich lassen wollten, nicht. Viele der Bewohner fühlten sich in der Zwickmühle. Sie hatten nach intensiven Gesprächen mit den Helfern akzeptiert, dass ein temporärer Auszug aus dem Gebäude nötig ist. Nun wurden ihnen wieder Hoffnungen gemacht, dass sie doch bleiben könnten, was zu starker Verunsicherung unter den Bewohnern geführt hat. Außerdem waren sie sehr dankbar, dass sich andere Menschen so stark für ihren Wunsch nicht ausziehen zu müssen einsetzen und fühlten sich daher wohl auch den “Blockierern” gegenüber verpflichtet.

Nachdem sich die Blockade vor dem Eingang durch die Aktivisten aus irgendwelchen Gründen etwas aufgeweicht hatte, kamen weitere Bewohner mit ihren Koffern aus dem Haus. Glücklicherweise traf dann ein Mitglied der Helfer-Gruppe in Weende ein, die in dieser Situation trotz verbaler Angriffe durch die “Blockierer” zunächst alleine und anschließend gemeinsam mit der Sozialarbeiterin der Stadt mit Bewohner für Bewohner geredet hat. Eine wieder sehr schwere Situation für die betroffenen Helfer. Im Endeffekt haben alle Bewohner bis auf drei das Haus in Richtung der neuen Unterkünfte verlassen.

Ohne das gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit der Vertreter von Stadt, Bonveno und der freiwilligen Helfer der Flüchtlingshilfe Weende wäre dies an diesem Vormittag vermutlich nicht gelungen.

Die drei letzten verbleibenden Bewohner sind dann gemeinsam mit den “Blockierern”losgegangen. Man versprach ihnen sich um eine Wohnung für sie zu kümmern. Die Helfer der Flüchtlingshilfe Weende blieben aber mit den dreien in Kontakt, damit Sie gegebenenfalls in einer städtischen Unterkunft ein Dach über den Kopf bekommen, falls die “Blockierer” Ihre Zusage nicht einhalten können.

Einer der drei nahm schon am Nachmittag wieder Kontakt mit den Helfern der Flüchtlingshilfe Weende auf. Schlussendlich mussten alle drei für eine Nacht privat untergebracht werden, da ihre Hoffnungen auf Hilfe durch die “Blockierer” sich nicht erfüllen ließen. Sie sind am Mittwochmorgen dann ebenfalls zu ihren bisherigen Mitbewohnern in die neue Unterkunft auf der Siekhöhe umgezogen.

Ein persönlicher Bericht von Lars Gargulla (Göttingen hilft) und Anne Hein (Flüchtlingshilfe Weende)

 

 

Treffen der AG „Begegnungsorte“ am 07.06. um 19.00 Uhr im Restaurant Lehmofen

Die Begegnungsorte (siehe auch Bericht: „gemeinsam essen – gemeinsam helfen“) haben sich als wichtige Treffpunkte entwickelt. Immer mehr geflüchtete Menschen nehmen das Angebot wahr. In der Zwischenzeit sind viele Kontakte entstanden und es konnte so manches Problem gelöst werden. Es zeigt sich bei jedem Treffen, wie wichtig die persönlichen Begegnungen sind. Die Treffpunkte erweisen sich als Kleinode in einer Welt, in der zwischenmenschliche Begegnungen oft so schwer sind oder auch schwer gemacht werden. Es liegt den ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen sehr daran, dass in Göttingen eine Atmosphäre des Vertrauens aufgebaut wird. So wird beim nächsten Treffen auch darüber diskutiert, wo an den Schnittstellen der Zusammenarbeit Verbesserungen geschaffen werden könnten. Das betrifft die Kooperation mit der Stadtverwaltung ebenso wie das Zusammenspiel der einzelnen Initiativen untereinander.
Das nächste Treffen findet am 07.06. um 19.00 Uhr im Restaurant Lehmofen, Angerstraße 8, statt.

Tagesordnung:

1. Kurze Berichte aus den verschiedenen Gruppen der AG-Begegnungsorte
2. Kommunikation – Kooperation und die Fallen des Alltags; Erfahrungsbericht: Lars Gargulla
3. Vorschläge zur Zusammenarbeit mit der Unterkunft auf der Siekhöhe: Lars Willmann
4. Vertrauen schaffen – Perspektiven entwickeln – kritisch bleiben. Impulsreferat: Dr. Karl Gebauer
5. Überlegungen, ob weitere Begegnungsorte in unmittelbarer Nähe von Unterkünften geschaffen werden können
6. Sonstiges

Pressemitteilung der Stadt Göttingen zu “Großen Breite” und “Weißes Haus”

PressekonferenzStadtrat Siegfried Lieske hat in Vertretung von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag, 26. Mai 2016, für die Verwaltung zur Situation in den Göttinger Flüchtlingsunterkünften „Große Breite“ und „Weißes Haus“ (Hagenweg) sowie zu den weiteren Planungen der Stadt Stellung bezogen. Die Bewohner der beiden Häuser sollen nach den Vorstellungen der Stadt am 7. Juni – teilweise vorübergehend bis Anfang August – in die Flüchtlingsunterkunft am Anna-Vandenhoeck-Ring umziehen, weil die Stadt im „Weißen Haus“ eine Unterkunft für geflüchtete Frauen einrichten und das Haus in der Großen Breite grundlegend von einem Kakerlakenbefall befreien will.

Die offizielle Mitteilung der Stadt Göttingen kann hier eingesehen werden:  https://www.goettingen.de/magazin/artikel.php?artikel=19117&menuid=1910&topmenu=637

Ein Kommentar von Göttingen Hilft folgt in Kürze.