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Gemeinsam essen – gemeinsam helfen

Internationales Frauenfrühstück im Gemeindehaus der Johanniskirche

Der Raum ist hell und freundlich eingerichtet – in der Mitte sind mehrere Tische zusammengeschoben und es ertönen fröhliche Stimmen. Sie gehören acht geflohenen Frauen, manche haben ihre Kinder dabei. Wie jeden Montag kommen sie zusammen, organisiert von einem ehrenamtlichen Projekt bei „Göttingen hilft“.
Von Viktoria von Kalm

Die größtenteils aus Afghanistan stammenden Frauen kommen her, um sich mit anderen Flüchtlingen aus ihren Ländern austauschen zu können. Ihre Kinder, die sie mitbringen, sind längst alt genug, um in den Kindergarten zu gehen, allerdings gibt es noch Komplikationen bei den Vermittlungen eines Platzes. Da das Sprachniveau der erst vor wenigen Monaten angekommenen Flüchtlinge noch nicht ausreicht, um problemlos Behördengänge und Arztbesuche zu organisieren, kann von Glück geredet werden, dass eine junge Frau, die der persischen Sprache mächtig ist und seit etwa 20 Jahren in Deutschland lebt, die Rolle der Dolmetscherin übernommen hat, und es den ehrenamtlich arbeitenden Frauen so ermöglicht Hilfestellung zu leisten. Durch deren Engagement können viele Probleme individuell gelöst werden.  Aber bei den internationalen Frühstücken geht es nicht nur um problematische Aspekte. Beim Essen wird viel geredet – und auch wenn Deutschsprachige nicht viel verstehen, ist die positive Stimmung merklich.  Um den neu zugezogenen Frauen die traditionelle deutsche Küche näherzubringen wird heute Spargel serviert. Diese sind dem unbekannten Gemüse gegenüber zunächst skeptisch und halten sich lieber an Fladenbrot und andere in ihrem Land traditionelle Gerichte.

Selbstständigkeit fördern

„Ursprünglich gab es die Idee, unmittelbar Patenschaften und Betreuung von Frauen und Familien zu übernehmen, die nicht direkt in Göttingen wohnen, sondern im weiteren Umkreis verteilt worden sind. Daraus hat sich dann das Projekt des gemeinsamen Frühstücks entwickelt, was am Nachmittag durch das ‚Café der Begegnung’ weitergeführt wird“, erklärt Anne, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Auch am nächsten Tag gibt es für die, die wollen weitere Möglichkeiten, die deutsche Sprache und Kultur näher kennenzulernen, indem Mütter mit ihren Kindern zum Spielen, Malen, Singen und Bewegen eingeladen sind.
„Wir sehen große Fortschritte bei der Selbstständigkeit der Frauen“, sagt Anne. Anfangs sei das Busfahren schwierig gewesen. „Inzwischen stellt nach häufigerer Nutzung das Bussystem jedoch kein Hemmnis mehr da, was die Mobilität und Freiräume stark erhöht“, berichtet die ehrenamtliche Mitarbeiterin.
Gegen Ende des Frühstücks sind es vor allem die kleinen Kinder, die hilfsbereit zur Küche hin- und zurückrennen, um beim Abdecken behilflich zu sein. Nach und nach kommt es zum Aufbruch – beinahe alle haben noch Fragen wegen behördlicher Formulare, Schulen oder ähnlichem, denen sich die helfenden Frauen nun gezielter zuwenden und Hinweise und Tipps geben, wo sie nur können.

Der Text entstand als Übungsreportage im Kurs »Journalistische Praxis: Printmedien« der Zentralen Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen an der Georg-August-Universität Göttingen.

Alle Beiträge der Reihe:
Bewegung, die verbindet (25. Mai)
Gemeinsam essen – gemeinsam helfen (30. Mai)
Willkommen am Klausberg! (14. Juni)