Skip to main content

Willkommen am Klausberg!

„Does this train stop in Göttingen?“ – Fragen wie diese gehören inzwischen zu einer Metronom-Fahrt dazu. Flüchtlinge bekommen oft nur ein Ticket in die Hand gedrückt und müssen dann sehen, wie sie zu den zugeteilten Unterkünften gelangen. Doch sobald sie dort ankommen, stehen ihnen bei allem weiteren freiwillige Helfer_innen zur Seite.
Von Nele Scholz

„Wenn die Leute aus der Erstaufnahme, aus Friedland oder aus Bramsche kommen, dann müssen sie immer erst mal ins Rathaus und den ganzen Papierkram erledigen und wenn sie endlich hier ankommen, ist es oft schon später Nachmittag“, erklärt Kathrin, „dann gibt es erst mal eine Suppe oder ein Buffet und Begrüßungsgeschenke.“ Sie organisiert auf Freiwilligenbasis die Begrüßungs AG der ‚Initiative Willkommen Flüchtlinge‘ am Klausberg, ist aber hauptberuflich Grundschullehrerin. Da oft sehr kurzfristig Benachrichtigungen kommen, wann und wie viele Flüchtlinge im Wohnheim ankommen, bedarf es einer Organisation auf Abruf. „Und sonst versuchen wir natürlich schon Kontakt aufzubauen, damit die Leute sehen: da gibt es nicht nur Sozialarbeiter sondern auch Freiwillige, die ansprechbar und unabhängig von der Stadt und deren Interessen sind.“
Freiwillige gründeten die Initiative Anfang 2015 und fördern in zahlreichen Arbeitsgruppen die Integration von Flüchtlingen. Die Patenschafts AG zum Beispiel hilft den Bewohner_innen beim Einleben und Zurechtkommen in der neuen Umgebung, das schließt alles von dem Weg zum Supermarkt zeigen bis hin zu Behördengängen ein. Weitere Gruppen wie die Sprach, Job oder Freizeit AG sind ebenfalls dafür da, die Bewohner_innen zu integrieren und zu unterstützen. Deutschstunden, Sportveranstaltungen, Hausaufgabenhilfen oder Bastelsitzungen füllen somit den Wochenplan der Flüchtlinge.
Zusammen für menschwürdige Unterkunft sorgen
Der Gebäudekomplex, wo um die 200 Menschen beherbergt werden, war vorher der Standort für das „Institut für den Wissenschaftlichen Film“. „Die Räumlichkeiten der Initiative stehen voll mit altem Mobiliar, das nicht entsorgt werden darf. In diesen Räumen sollte eine Kleiderkammer Platz haben oder Raum für Gemeinschaftsaktivitäten sein. Auch mangelt es allgemein an Gemeinschaftsräumen für die Bewohner_innen“, meint Kathrin. Besonders toll an der ‚Initiative am Klausberg’ findet sie, die schnelle Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen, die starke Verankerung im Stadtteil und die große Hilfsbereitschaft der Freiwilligen und Nachbarn.
„Was uns auch noch auszeichnet ist, dass wir – nicht alle aber einige – einen politischen Anspruch haben und etwas an den Wohnstandards verändern wollen.“ Einzelne der Initiative haben sich jetzt mit anderen freiwilligen Helfer_innen aus Göttinger Flüchtlingsheimen zusammengeschlossen, um einen Katalog zu den Mindeststandards in Einrichtungen zu verfassen. „Wir finden es zum Beispiel wichtig, dass die Leute eine Klingel bekommen, Briefkästen, einen Kühlschrank oder ein abschließbares Fach.“ Die insgesamt 15 Punkte bilden eine Basis, um einen gewissen Lebensstandard zu gewährleisten und ein dezentrales Wohnen für Alle zu erreichen. „Wir müssen zusammen für die Rechte kämpfen und für eine menschenwürdige Unterkunft sorgen“, sagt Kathrin.

Der Text entstand als Übungsreportage im Kurs »Journalistische Praxis: Printmedien« der Zentralen Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen an der Georg-August-Universität Göttingen.

 

Alle Beiträge der Reihe:
Bewegung, die verbindet (25. Mai)
Gemeinsam essen – gemeinsam helfen (30. Mai)
Willkommen am Klausberg! (14. Juni)